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Mobilität: Auto kontra Moped

3. April 2014 um 8:41

Mein Thread wendet sich an alle, welche die Anschaffung eines Mopeds in Erwägung ziehen.
Nach einigen Jahren Erfahrung mit dem chinesischen Fabrikat Qingqi stelle ich hier meine Erfahrungen in den Thread.

1) Neu oder gebraucht?
Aus heutiger Sicht würde ich eher zu einem gebrauchten Moped raten.
Man sollte beim Ankauf jemanden dabei haben, der ein wenig Ahnung hat, und ich würde eher dazu raten, ein Modell zu wählen, das nicht mehr als 7000 km drauf hat. (Kommt aber immer darauf an, ob das Moped gut gewartet wird. Dann kann es auch mehr drauf haben.)
Man muss nach meiner Erfahrung pro Jahr mit 200 Euro rechnen, wenn der Vorbesitzer auf die Wartung geachtet hat.
(Unbedingt Serviceheft und gegebenenfalls Rechnungen zeigen lassen!!)
Ein neues Moped hat vorgeschriebene Wartungsabstände und die Vertragswerkstätten lassen sich ihre Arbeit BESONDERS gut bezahlen.
Merke:
Beim gebrauchten Moped wenn vorhanden im Serviceheft nachsehen, ob die vorgesehenen Wartungen durchgeführt worden sind.
2) Kosten
Der Preis bei billigen Mopeds ist eigentlich sekundär. Wichtig ist, zu wissen, dass die Wartungskosten im billigen Segment die Ankaufskosten bei weitem übersteigen.
So habe ich den mehrfachen Kaufpreis in mein beim Kauf neues Moped für Wartungen investiert.
Also ich denke heute so: kauf lieber ein verbreitetes (teures) Modell wie Vespa, wo du an jeder Straßenecke einen Mechaniker findest, der sich mit Ersatzteilen auskennt.
Bei meinem chinesischen Modell wird alles importiert, und ich habe entweder die Wahl gehabt, zu meinem teuren Servicemechaniker zu gehen, oder zu einem anderen, preisgünstigen Mechaniker, wo ich aber die meisten Ersatzteile selber über das Internet bestellen musste.
Ein Beispiel: den Antriebsriemen bei meinem Moped hat mir der Vertragsmechaniker um 50 Euro verkauft, während ich ihn im Internet um 16 Euro bekommen habe. (Klar, nicht das Originalersatzteil, sondern ein - laut Seitenbetreiber passendes - gleichwertiges Teil. Aber es passt und läuft zufriedenstellend.
Also hier die Kurzformel:
verbreitetes Modell (Vespa, etc.): ist teurer, aber auf lange Sicht in der Wartung billiger.
Vertragsmechaniker: qualitativ gut, aber unverhältnismäßig teuer.
Man kann auch die Variante versuchen: guter Vertragsmechaniker, dem man die nötigen Ersatzteile selber bestellt. Das bedingt aber eine recht lange Stehzeit beim Mechaniker, was nicht besonders günstig für Menschen ist, die auf das Moped angewiesen sind.
Man darf auch nicht vergessen, dass das Anmelden eines Mopeds (in Österreich) ca. 160 Euro kostet.
Ich stelle also folgende (ungefähre) Rechnung auf:
850 Euro (Neukauf eines billigen Chinarollers)
160 Euro (Anmeldegebühren)
300-500 (Euro Wartungskosten im ersten Jahr bei einem
teuren Vertragsmechaniker.
Das macht also rund 1300 bis 1500 Euro im ersten Jahr, für ein neues Billigmoped, Anschaffungskosten inklusive.
Bei einem gut gewarteten Roller, den ich gebraucht um 300 bis 400 Euro kaufen kann, erspare ich mir einiges, und kann - wenn die Garantie abgelaufen ist - auch weniger häufig Wartungen durchführen lassen. (Natürlich nicht unnötig sparen auf Kosten des Motors - aber alle 2.500 Kilometer warten lassen ist doch ein wenig übertrieben.)
3) Wartung
Schäden an der Plastikverkleidung sind teuer. Mein Tipp: nicht gleich jeden Schaden durch einen Austausch beheben. Besser man überklebt kleinere Schäden mit einem Textilband.
Regelmäßiger Ölwechsel ist jährlich unabdingbar und auch ein sogenanntes "kleines Service", damit der Motor gut läuft.
Bitte prüfen, ob genug Öl nachgefüllt wurde, denn das hat eine Werkstätte bei mir mal vergessen, und ich habe mit Glück einen Motorschaden verhindern können. Die haben mir das Moped praktisch ohne Motoröl übergeben, und nach einigen Kilometern habe ich gemerkt, dass das ganze Moped ungewöhnlich vibriert, bis ich gemerkt habe, was los ist.
4) Die richtige Werkstatt
Man muß unbedingt eine Werkstatt finden, die das in sie gesetzte Vertrauen wert ist.
Es gibt wirklich erstaunlich viele Werkstätten, wo schlecht gearbeitet wird, und ich habe schon erlebt, dass die bei den Reparaturen Schäden an der leider sehr leicht brüchigen Verkleidung gemacht haben.
Wenn ihr Bekannte, Verwandte oder Freunde habt, die Mechaniker sind, ist das eine große Hilfe.
5) Preisvergleich Moped/Wagen:
Letztlich ist ein Wagen unabdingbar, wenn man größere Strecken zu bewältigen hat. Auf die Kilometerzahl gerechnet kommt die Wartung eines Gebrauchtwagens auch billiger. Denn der Mechaniker, der das Moped wartet ist fast so teuer wie einer, der das Auto wartet.
Insgesamt muß ich sagen, dass bisher der Gebrauchtwagen in der Wartung etwas über dem Mopedneukauf liegt - aber dafür fahre ich mit dem Wagen doppelt so viele Kilometer. Der Wagen (ein Opel Corsa) ist im Grunde weniger wartungsaufwendig.
Natürlich kommen bei einem Wagen im Ernstfall schon mal neue Reifen auf 250 Euro. Aber andererseits hatte ich schon Wartungen am Moped durchführen lassen, die mich gut 700 Euro gekostet haben, was wirtschaftlich gesehen Wahnsinn ist bei einem Billigmodell.
Meine Preisvergleiche beziehen sich immer auf meinen Chinaroller. Also kann ich nicht sagen, ob die Wartung einer Vespa nicht doch deutlich billiger kommt, weil die Wartungsintervalle länger sind.
5) Das Moped - ist ein Stadtfahrzeug
Das Moped ist dort unschlagbar, wo man kurze Distanzen zurücklegen muss und sich keine Parkplatzsorgen machen will: in der Stadt.
Bei manchen Strecken spart man sich - im Vergleich zu den öffentlichen Verkehrsmitteln - das umständliche Umsteigen, während manche Strecken wirklich am besten mit Bus und Straßenbahn zu bewältigen sind.
Was den Benzinverbrauch angeht ist ein Moped ebenso weit günstiger als ein Wagen.
Eine grobe Formel:
Stadt: Moped (wenn man nicht Berufsfahrer ist)
Land: Auto
Pendler: Auto
Wochenendausflüge, bei denen man die Natur genießen will und sich Zeit nimmt: Moped
Singlehaushalt in der Stadt, kleine Einkäufe: Moped
Haus am Land, manchmal Baumaterial zu kaufen: Auto


Ich werde den Thread noch fortsetzen.
Er ist ein Resüme nach sieben Jahren Mopedfahren. Ich bin schließlich aus unterschiedlichen Gründen auf einen Wagen umgestiegen und ziehe hier einen Vergleich.
Hängt sicher von den Lebensumständen ab, wofür man sich entscheidet.
Schwerpunkt setze ich auf die Kosten, weil die doch eine gewichtige Rolle spielen.
Für die ganz Jungen weise ich auf die Wartungskosten hin, denn als Anfänger neigt man wohl zu der Annahme:
Anschaffungskosten = für immer mobil
Die Formel lautet aber:
Anschaffungskosten + Anmeldegebühren + Wartungskosten und kleine Reparaturen = für immer mobil

Ich will im Folgenden auf die größeren Unfallgefahren für Mopedfahrer zu sprechen kommen.

3. April 2014 um 19:00

Zum Thema Sicherheit: Wagen kontra Moped
Nun, dazu gibt es nicht viel zu sagen.
Als Mopedfahrer ist man schlechter im Rückspiegel zu sehen und jeder eigene wie auch jeder fremde Fahrfehler eines Autofahrers kann fatal sein.
Aus den Medien weiß ich, dass die Jugend besonders gefährdet ist, aber dass auch ältere Autofahrer, die sich ein neues Motorrad leisten und sozusagen "Sonntagsfahrer" sind, häufig in Unfälle verwickelt sind.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schnell man übersehen wird und ohne Schuld in einen Unfall verwickelt werden kann.

Mein Tipp: Ruhe bewahren und auf alle Fälle Daten austauschen und einen Unfallbericht ausfüllen. Im Zweifelsfall Passanten bitten, den Unfallhergang gegebenenfalls zu bestätigen oder aus ihrer Sicht zu schildern, wenn das nicht klar ist.

Einem Jugendlichen würde ich niemals ein Moped finanzieren oder zu einem solchen raten. Ich will nicht mitschuldig werden.

Ich sollte hier auf die richtige Kleidung hinweisen. (Ich selber habe da nicht so viel Wert darauf gelegt, aber man muss sich im klaren sein, dass man bei einem Unfall vollkommen ungeschützt ist. Vorsichtig fahren nutzt auch nichts, wenn ein Autofahrer einen Fehler macht.

Also man muss ehrlich zugeben: risikofrei wird das Mopedfahren nie sein.

Ich fand das Fahren bei nasser Fahrbahn - insbesondere auf Eisenteilen wie Straßenbahnschienen - immer extrem risikoreich und rutschig. Also in kritischen, unübersichtlichen Verkehrssituationen lieber etwas langsamer fahren.



Zun Thema Tuning: bitte NICHT! Denn die Versicherung kann sich im Ernstfall bei jenen Verkehrsteilnehmern schadlos halten, deren Kraftfahrzeug nicht den Vorschriften entspricht.

Da das Moped aber in der Stadt zweifellos Qualitäten hat, die denen des Wagens überlegen sind, würde ich mir "Park your car - take a bike"- Angebote wünschen, wo man das Auto stehen lassen und auf ein Moped umsteigen kann.
Ob es so etwas gibt? Ich habe davon noch nicht gehört.


Ich schließe mit der Feststellung, das in Fragen der Sicherheit der Wagen selbstverständlich der Punktesieger ist.
Nicht die eigenen Fahrfehler sind entscheidend - sondern die der anderen.
Da der übrige Verkehr zumeist schneller ist als ein Mopedfahrer schluckt man all die Fehler der anderen.

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8. April 2014 um 7:06

Vermeidbare Fehler
Hier einige Fehler, die ich selber gemacht habe, und die vermeidbar wären:

1) Soll ich mein Moped verborgen?
Die Antwort ist: lieber nicht. Auch wenn es - wie in meinem Fall - die Freundin ist.
Falls man sein Moped verborgt, muss man damit rechnen, für die Kosten von Beschädigungen aufkommen zu müssen.
Ich erinnere mich noch recht gut. Ich wollte meiner damaligen Freundin das Fahren auf einer einsamen Strasse zwischen den Feldern beibringen. Das hielt ich für eine Super-Idee. Das würde Spaß machen. Ich erklärte ihr, sie müsse nur den Gasdrehgriff drehen und hielt für gegeben, dass sie verstand, dass man dazu schon am Moped sitzen müsse.
Sie drehte, dass Moped fuhr ohne sie los und kippte um. Ich war von den Socken - und schon hatte mein neues Moped mehrere Schäden an der Plastikverkleidung.
Meine Faustformel:
Moped verborger = mitunter teures Vergnügen

2) Ersatzteile
Es zahlt sich wirklich aus, Ersatzteile im Internet zu suchen und mit den Preisen zu vergleichen, die der Mechaniker für das Material verlangt. Wer kein Hobbymechaniker ist, kann dennoch Geld sparen, indem er dem Mechaniker die selbst im Internet bestellten Ersatzteile zur Verfügung stellt.
Bei Verkleidungsteilen kann man auch gebrauchte Teile im Internet finden, die man ebenso gut wie neue verwenden kann. Sie sollten allerdings erheblich billiger als die neuen Teile sein, denn immerhin riskiert man, ein Teil mit einem verborgenen Schaden (Haarriss, etc.) zu kaufen. Dann hat man um gutes Geld Müll oder wenigstens minderwertige Ware gekauft.

3) Nachkontrolle
Man hat das Moped zum Service gebracht und übernimmt es vom Mechaniker.
Er wird nichts dagegen haben, wenn man einen kurzen Blick auf das Moped wirft:
- Ist auch genug Öl nachgefüllt worden?
- Ist beim Anziehen der Schrauben ein Teil der Plastikverkleidung beschädigt oder abgerissen worden?
Denn wenn man erst später - nach Verlassen der Werkstatt - die Mängel bemerkt, hat man seine liebe Not, zu belegen, dass man nicht selber die Mängel verursacht hat.

4) Rechnungen aufheben
So hat man immer einen schriftlichen Beleg, welche Wartungen am Moped durchgeführt worden sind. Und bitte: man kann auch darauf bestehen, dass die Rechnung so geschrieben wird, dass man lesen kann, was gemacht worden ist, was ja das Wesen einer Rechnung ausmacht.
Außerdem hat man beim Weiterverkauf eines Mopeds einen Nachweis, was alles an dem Moped gemacht worden ist.

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