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besondere textpassagen

7. Juni 2004 um 0:13

kennt ihr das - ihr lest eine textstelle und könnt gar nicht genug von diesem auszug kriegen, weil er euch anspricht, irgendwas zum klingen/schwingen bringt?
oder ihr lest und müsst das buch kurz weglegen, weil euch dieser satz was sagen will, ihr aber noch nicht genau wisst, was?
oder ihr lest gar genau eure ureigenen gedanken?

ich bin gerade etwas schreibfaul *g* und setz mal nur die ganz kurzen auszüge, die ich mir mal notierte, hier rein:


aber während alles stille war, arbeitete meine plötzlich erregte seele mächtig in die nacht hinein. das halbverstandene gespräch war in sie gefallen wie eine frucht in den teich, und nun liefen schnellwachsende kreise eilig und ängstlich über sie hinweg und machten sie vor banger neugierde zittern.
(hermann hesse)


ihr kam sofort der gedanke, dass er es war, und sie freute sich unendlich. im selben augenblick wunderte sie sich über diese freude: wie ist es möglich, dass ich mich so freue, wenn ich erfahre, dass er kommt?
sie gehört nämlich zu jenen modernen frauen, die sich gerne spalten: in ein wesen, das erlebt, und ein wesen, das beobachtet. aber auch die beobachtende freute sich. sie war sich nämlich bestens bewusst, dass es völlig unangemessen war, wenn die erlebende sich so ungestüm freute, und da sie boshaft war, verursachte ihr auch diese unangemessenheit freude. sie amüsierte sich bei der vorstellung, wie erschrocken er wäre, wenn er erführe, wie sehr sie sich freute.
(milan kundera)


wenn der augenblick sogenannte menschliche größe von uns verlangt, vermögen wir nur intensiv und fast ehrlich in der kaffetasse zu rühren.
(?)


später, viel später der versuch einer rekonstruktion. wiederherstellung eines vorgangs. erhoffte annäherung. um zu greifen, um zu begreifen. ungewiss bleibt seine beschaffenheit. ein traum. oder ein fernes erinnern. ein bild, mir unerreichbar, letztlich unverständlich. dennoch vorhanden und beruhigend in dem namenlosen, unerklärlichen, das ich auch bin. schließlich vergeht der wunsch. vorbei. die überwirkliche realität, meine alltäglichen abziehbilder schieben sich darüber, bunt, laut, vergesslich. heilsam. und nur der schrecken, die ausgestandenen hilflosigkeit bleibt in mir, unfassbar, unauslöschlich.
(?)

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7. Juni 2004 um 13:45

Ach ja...
Mich beeindrucken meist eher die Schlussszenen (3 "s"???), hab mir damals z.B. die beiden folgenden aus ausgeliehenen Büchern herausgeschrieben. Wie gesagt: Es ist jeweils das Ende ("Traumnovelle" und "Fräulein Niemand"), nur als kleine Warnung, damit hinterher keiner sagen kann, ich hätte zuviel verraten .


Arthur Schnitzler: "Traumnovelle":

"Was sollen wir tun, Albertine?"
Sie lächelte, und nach kurzem Zögern erwiderte sie; "Dem Schicksal dankbar sein, glaube ich, dass wir aus allen Abenteuern heil davon gekommen sein - aus den wirklichen und aus den geträumten."
"Weißt du das auch ganz gewiss?" fragte er.
"So gewiss, als ich ahne, dass die Wirklichkeit einer Nacht, ja dass nicht einmal die eines ganzen Menschenlebens zugleich auch seine innerste Wahrheit bedeutet."
"Und kein Traum", seufzte er leise, "ist völlig Traum."
Sie nahm seinen Kopf in beide Hände und bettete ihn innig an ihre Nrust. "Nun sind wir wohl erwacht", sagte sie - "für lange."
Für immer, wollte er hinzufügen, aber noch ehe er die Worte ausgesprochen, legte sie ihm einen Finger auf die Lippen und, wie vor sich hin, flüsterte sie: "Niemals in die Zukunft fragen."

So lagen sie beide schweigende, beide wohl auch ein wenig schlummernd und einander traumlos nah - bis es wie jeden Morgen um sieben an die Zimmertür klopfte und mit den gewohnten Geräuschen von der Straße her, einem sieghaften Lichtstrahl durch den Vorhangspalt und einem hellen Kinderlachen von nebenan der neue Tag begann.



Tomek Tryzna: "Fräulein Niemand"

Ich will aufstehen, kann aber nicht. tadzio hat mich im Schlaf unter seiner Bettdecke begraben. Ich stehe auf. Vor mir der glitschige Weg im Mondschein. Ich werde ihn gehen. Sie erwarten mich bereits mit Mistgabeln. Da. Hier schläft Papa, und hier Mama. Sie schnarchen. Seid mir nicht böse, weint bitte nicht. Es lohnt sich nicht. Wozu braucht ihr zu Hause jemanden, der so gemein ist. Ruhig, Zenus, ruhig. Komm her, mein Kleiner, ohne dich werden sie mich dort nicht hineinlassen. Ich habe bei deinem Leben geschworen, dass ich dich nicht hassen werde. Hier hast du nie etwas gesehen, und im Himmel wirst du Sternchen sehen, die Sonne und alles, was dazu geört. Begleite mich, nur ein kleines Stück, dann kommen die Engel und nehmen dich mir ab. Halt dich gut an meinem Hals fest. Wie warm es hier auf dem Balkon ist, und wie schön. Siehst du? Schon sind die Beine über dem Geländer. Ach, du siehst nichts, aber gleich wirst du alles sehen.Gleich wirst du fliegen.

Wir fliegen.

Zenus wird immer leichter, und ich werde immer leichter. Schon ist Zenus nicht mehr bei mir.

Und ich...ich werde immer weniger, immer leichter, bin schon leichter als Luft. und doch immer schwerer. Je weniger ich dort bin, desto mehr bin ich hier.

Ich fliege durch die schwarze Leere, rund und schwer von der GLut, die in meinem Innern wächst und wächst. Ich drücke meinen Schoß zu, behalte sie in mir. Was ist das für eine Geburt, die niemals endet, und was für einen Kampf gegen die Glut, die ewig wächst. Im Glanze das Vaters, in seinem Magnetfeld kreise ich gehorsam als Stern unter tanzenden Sternen, Schwester unter Schwestern. In anmaßendem Gehorsam, in fröhlichem Leiden, ruhig und bebend, schweigend, still

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8. Juni 2004 um 8:43

*schwärm*
"Doch Leidenschaft gibt Kraft, Zeit weist die Wege,
Der Liebe Süße schwächt die schlimmsten Schläge."

(Shakespeare)

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11. Juni 2004 um 18:22

"Unerträgliche Leichtigkeit des Seins"
...ein Buch,dass voll ist von solchen Passagen:
"Sie hatten sich eine Hölle geschaffen,obwohl sie sich liebten. Sie liebten sich wirklich, und das war der Beweis, dass der Fehler nicht bei ihnen lag, nicht in ihrem Verhalten oder in unsteten Gefühlen, sondern darin, dass sie nicht zusammenpassten, weil er stark war und sie schwach.[...] Aber gerade der Schwache muss stark sein können und weggehen, wenn der Starke zu schwach ist, dem Schwachen ein Unrecht antun zu können."

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