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Das perfekte Dinner Wunschmenu - hinter den Kulissen

16. Februar 2016 um 11:22

Hey Leute
Im Dezember 2015 stand ich für das perfekte Dinner - Wunschmenu - im Ruhrgebiet vor der Kamera. Ausstrahlung auf VOX läuft seit gestern, dem 15.02.2016.
Im laufe der kommenden Tage werde ich hier meinen Erfahrungsbericht abgeben.

Teil 1: Mein Weg zum perfekten Dinner, das Casting.

Es war irgendwann im Jahr 2011, als ich mich entschloss, mich für das Format Das perfekte Dinner auf VOX zu bewerben. Kochen konnte ich immer schon ganz gut, sicher nicht perfekt, bin ja kein Koch, aber beschwert hat sich bisher auch noch niemand. Die Bewerbung war schnell geschrieben, geht ja online. Und das war es dann auch erst mal. Ganze 4 Jahre hörte ich nichts vom Sender, so schlussfolgerte ich, dass meine Bewerbung nicht berücksichtigt wurde.

Im Oktober 2015 erhielt ich eine kurze Mail der Produktionsfirma ITV, die dieses Format an VOX verkauft. Ob ich noch Interesse hätte, man würde im Dezember im Ruhrgebiet das Wunschmenu drehen und würde nun mit den Castings beginnen. Kurz und knapp antwortete ich, dass Interesse meinerseits weiterhin besteht. Nur 2 Minuten, nach dem ich auf absenden geklickt hatte, klingelte auch schon mein Handy. Eine junge Frau, deren Namen ich aus Datenschutzgründen jetzt mal verschweige, meldete ich von ITV. Sie habe sich sehr über meine Antwort gefreut und wolle nun wissen, ob ich Zeit für ein Telefoninterview habe. So ein Telefoninterview sei der erste Schritt, um sich von mir ein Bild machen zu können. Ich willigte ein und telefonierte 1 Stunden mit ihr. Unendlich viele Fragen wurden mir gestellt. Wieso ich mitmachen will, was mein größter Kochunfall war, ob ich verheiratet bin, Kinder habe, was ich beruflich mache, was meine Hobbys sind, was das witzigste war, was ich je erlebt habe und so weiter. Die Castingagentin und ich wurden schnell warm miteinander, es war ein lockeres und auch sehr lustiges Gespräch. Am Ende sagte sie mir, dass die meisten Interviews nur 30 Minuten dauern, aber da ich so viele tolle lustige Dinge zu erzählen hatte, dauerte es bei mir eben so lange. Man würde an Hand meiner Antworten nun auswerten, wie interessant ich sei und ob ich in die 2. Runde des Castings vorrücken würde. Sollte dem so sein, würde man mich wieder anrufen.
Es vergingen 3 Tage, bis mein Telefon erneut klingelte. Wieder meldete sich die nette Castingsagentin. Hurra hurra, du bist in Runde 2, verkündete sie mir feierlich. In dieser Runde würde sie mich mit einer Kamerafrau besuchen und ein Videointerview bei mir zu hause drehen. Dieses Video dient ausschließlich meiner Bewerbung und wird niemals im TV zu sehen sein. Wir vereinbarten einen Termin Ende der Woche. Ich sollte mich darum kümmern, dass meine Schnibbelhilfe, mein bester Freund Jan, bei dem Videointerview anwesend sei. Kein Thema, Jan hatte genau wie ich Bock auf diese Erfahrung.
Freitag, irgendwann Ende Oktober, trafen wir uns bei mir zu hause. An meiner Haustür begrüßte ich die Castingagentin, die ich vom Telefon kannte und eine junge Kamerafrau. Ich sah aber keine Kamera. Wollten wir nicht drehen? frage ich verwirrt.
Kannst es wohl kaum erwarten., witzelte die Kamerafrau. Aus ihrer Tasche holte sie einen kleinen Camcorder. Einen ganz normalen, so wie man den im Urlaub am Mittelmeer benutzt. Man erklärte mir, dass man keine teure Kameratechnik benötige, da dieses Video nur intern genutzt würde. Ok, klingt ja logisch. Nachdem ich die Damen mit Kaffeespezialitäten aus meinem Vollautomaten verwöhnt hatte, ging es auch schon los. Jan und ich saßen gemeinsam vor der Kamera und beantworteten Fragen. Wie man sich kennen gelernt habe, welche Hobbys man zusammen habe und immer so weiter. Darauf folgte eine von der Kamera begleitete Führung durch mein Haus. Hier wollte man ermitteln, ob die Wohnfläche sich für einen Dreh eignete und ob mein trautes Heim irgendwie interessant sei. Das ist es, denn ich wohne in einem Altbau aus dem Jahre 1885. Meine Küche und mein Bad habe ich in einen am Haus angrenzenden Pferdestall gebaut. Allein das fanden die Damen schon total spannend.
Nach dem Rundgang durch meine heiligen Hallen setzen wir uns wieder ins Wohnzimmer. So Sven, jetzt ist es ja das Wunschmenu. Du müsstest nun in die Kamera sagen, wie sich dieses zusammensetzt und warum gerade das dein Wunschmenu sein soll.
Bereits im Vorfeld habe ich mich für ein griechisches Menu entschieden, welches mich an einen Familienurlaub in meiner Kindheit erinnerte. Wichtig hierbei war, dass ich das Menu noch nie selbst gekocht habe oder es nie so richtig hingekriegt habe. Ein Menu, welches ich selbst wie aus dem FF kochen konnte, war nicht erlaubt. Monate später, nach Austrahlung im TV, hätte es mich gefreut, wenn dass auch die heimischen TV Zuschauer gewusst hätten. Meine Mitkandidaten und ich erhielten via Facebook einen regelrechten Shitstorm. Selbst noch nie gekocht aber andere dafür kritisieren, war die vorherrschende Meinung der Zuseher. Das genau das aber unsere Regieanweisung war, wusste vor dem TV zu Hause niemand. Dazu aber später mehr.
Vor laufender Kamera stellte ich mein Wunschmenu vor und erzählte die dazu gehörige Geschichte. Die Geschichte zum Menu ist witzig, ich muss selber lachen, wenn ich mich daran erinnere. Diese jetzt hier aufzuschreiben würde aber ewig dauern und ohnehin konnte ich die Geschichte später bei den Dreharbeiten nicht erzählen, weil die Drehzeit einfach zu knapp bemessen war.
Danach war mein Videointerview abgeschlossen. Wir verabschiedeten uns in dem wir uns alle umarmten. Och, nett, diese Herzlichkeit, dachte ich. Es sollte nicht die letzte Umarmung gewesen sein, dass sollte ich in der Drehwoche noch lernen.
Eine Woche später klingele erneut mein Handy. Du bist dabei, teilte die Castingagentin mir mit. Aus insgesamt über 120 Bewerbungen hatte ich es geschafft. Ich muss zugeben, dass ich schon ein wenig Stolz auf mich war. Sie teilte mir mit, dass der Kontakt zwischen ihr und mir nun beendet sei, alles weitere würde die Aufnahmeleitung mit mir klären, nach dem ich den Vertrag unterschrieben habe. Der Vertrag kam 2 Tage später per Post und war, gefühlt, so dick wie ein Telefonbuch. Ich studierte ihn aufmerksam, verstand nur die Hälfte und unterschrieb ihn. Kann ja nicht so schlimm sein, den einfach so zu unterschreiben, immerhin gibt es dieses TV Format schon seit 10 Jahren. Das war auch so. Übersetzt stand im Vertrag halt nur, dass man später keine Ansprüche an die Produktion stellen darf und das man jederzeit ein Mitspracherecht habe, was später auch gesendet wird. Ist man mit irgendetwas nicht einverstanden, vielleicht mit etwas, was man vor der Kamera gesagt hat und später empfand, dass es nicht so klug war, dies zu sagen, würde die Produktionsfirma dies auch nicht senden. Das war fair.
Einige Tage nachdem ich den Vertrag abgeschickt hatte machte ITV einen weiteren Termin bei mir zu hause aus. Die 3 Aufnahmeleiter, die die ganze Drehwoche anwesend sein würden, besuchten mich in meinen 4 Wänden, um mir den genauen Ablauf und Zeitplan der Drehwoche mitzuteilen. Noch war ich diese lockere Stimmung mit der Castingagentur gewohnt und ging davon aus, dass die Stimmung so bleiben würde. War nicht so. Die 2 Damen der Aufnahmeleitung, die in meinem Wohnzimmer saßen (eigentlich sollten es ja 3 sein, aber die 3. Dame stand irgendwo im Stau und schaffte es nicht, pünktlich bei mir zu sein.) waren irgendwie überhaupt nicht witzig. Die Stimmung war professionell trocken. Sie erklärten mir den Ablauf und das ich mich genau, aber ganz genau, daran halten müsse. Für Experimente im Zeitplan sein kein Raum. Mein Kochtag war der Freitag, was bedeutete, das dass Finale bei mir stattfinden würde. Fand ich ganz gut. So konnte ich mir in den 4 Tagen davor in Ruhe angucken, wie alles abläuft um dann bei mir zu Hause zu gewinnen. Denn gewinnen will man ja schon irgendwie. Mir ist aufgefallen, dass viele der Kandidaten beim perfekten Dinner angeben, allein für die Erfahrung dort mitzumachen. Stimmt natürlich irgendwie, mir ging es auch darum, aber wenn man doch schon mal mitmacht, will man doch auch irgendwie versuchen, zu gewinnen. Das, finde ich, ist völlig legitim.
Das Gespräch dauerte etwa eine Stunde. Während der ganzen Zeit empfand ich eine kalte Stimmung, weswegen ich die Damen an der Tür mit einem standardmäßigem Handschlag verabschieden wollte. Doch auch hier: Umarmung. Passt irgendwie nicht zu der Stimmung. Dennoch umarmte man mich. Das macht man so beim Fernsehen., sagte man mir. Aha ok. Da ich ein eher herzlicher Mensch bin kam ich dem gerne nach, auch wenn es irgendwie unpassend wirkte.

Morgen folgt Teil 2. Erster Drehtag bei Marta.

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